Or San Michele – Getreide und Skulpturen


Natürlich geht es um Kunst und Kirchen, wenn man nach Florenz reist. Natürlich hat man irgendwann auch zu viel davon gesehen und der Kopf schwirrt wegen der vielen Namen von Cimabue über Giotto und Masaccio bis zu Pontormo.

Natürlich reizt es einen trotzdem oder gerade deshalb, immer wieder eine der schweren hölzernen oder bronzenen Kirchentüren aufzuziehen, aus dem grellen Licht des Sommers in die schattige Kühle einzutauchen, und zwischen dem in den Sonnenstrahlen tanzenden Staub andächtig den Marmorfußboden abzuschreiten, Figuren, Gemälde, Fresken und das Gesamtkunstwerk aus Architektur und Ausstattung zu bewundern. „Or San Michele – Getreide und Skulpturen“ weiterlesen

Eisige Zeiten – bitte auch im Winter

Schon seit Mitte Oktober hat meine Lieblingseisdiele an der Ecke geschlossen. Im Herbst und Winter kann man da Handschuhe und Mützen kaufen. Die ausgestellten Modelle sind ansprechend bunt und wirken fröhlich, aber wer braucht schon jeden Tag ein Paar Fäustlinge oder Ohrenschützer. Ein Eis allerdings kann man täglich essen,  Regen oder Graupelschauer sind da nicht hinderlich.

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Eine Touristin wie die Anderen

Von dem  Mailänder Journalisten Beppe Severgnini stammt der schöne Ausspruch, dass kein anderer europäischer Magen so patriotisch wie der italienische sei. Wenn es um das Essen geht, sind Italiener auch sehr anspruchsvoll.  Sie lieben es, während sie Köstlichkeiten der heimischen Küche genussvoll verzehren, ausgiebig und überschwänglich über das Essen zu reden, Rezepte auszutauschen oder besonders empfehlenswerte Lokalitäten zu verraten. Für ein gutes Abendessen sind sie auch bereit, lange Fahrten in Kauf zu nehmen, weil sie zum Beispiel erfahren haben, das es irgendwo auf einem entfernt gelegenen Dorf eine Osteria mit der besten Wildsauce Italiens gibt, oder hinter den sieben Bergen der beste Schinken auf den Tisch kommt.

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Löwen sprechen

Heute habe ich mich mit einem veritabeln Löwen unterhalten, genauer gesagt, ich habe ihn einfach angerufen.  Kaum hatte ich die Nummer gewählt, da war er auch schon am Apparat, ausgesprochen freundlich und dazu noch ganz schön redselig. Er erzählte vor allen Dingen von sich selbst, aber das hat mich weder erstaunt noch gestört. Ich kenne das von Männern. Er wies mich dezent auf sein augenfällig sportliches Äußeres, die gut trainierte Statur und seinen angenehm zurückhaltenden Habitus hin.

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Ermahnung an die Gondoliere

Meine starken Gondoliere
Vorwärts, vorwärts, rudert jetzt,
Dass die Gondel sich verliere
Wie ein Reh vom Jäger gehetzt.

Über Lidos öde Stellen
Grasbewachsner Gräberflur
Vorwärts, vorwärts in die Wellen
Auf des Meeres Freiheitsspur

Meine treuen Gondoliere
Sänger seid ihr zwar nicht mehr,
Doch ob der Ruhm sich verliere
Der des Schweigens ziert euch sehr

Auf der Riva der Schiavonen
Tassos Stanze nicht mehr klingt!
Doch ich will euch mehr belohnen,
wenn ihr schweigt, als wenn ihr singt.

(Gräfin Ida von Hahn-Hahn)