Florentiner Geheimtipp für Nicht-Touristen

Wenn wir reisen, genießen wir zweifelsohne die vielfältigen Annehmlichkeiten, die der organisierte Tourismus mit sich bringt. Hotels und Pensionen in unterschiedlichen Preiskategorien, den öffentlichen Nahverkehr und geregelte Zugänge zu den Sehenswürdigkeiten.  Doch gleichzeitig will man möglichst kein Tourist wie jeder oder jede andere sein. Man wünscht sich authentische Erlebnisse und Ursprünglichkeit und fragt gern andere erfahrene Nichttouristen nach sogenannten Geheimtipps, um da typisch einheimisch essen zu gehen, wo es keine anderen Fremden gibt. Touristen mögen nämlich keine anderen Touristen.

Als absoluter Geheimtipp galt im von der Touristenplage täglich heimgesuchten Florenz die Biblioteca delle Oblate. Sie ist in einem ehemaligen Kloster aus dem 14 Jahrhundert mit einem schattenspendenden Kreuzgang in der Nähe des Domes untergebracht. Der Name Oblate erinnert an die Gemeinschaft einer religiösen Schwesternschaft, die im nahe gelegenen Krankenhaus Dienst tat. 1953 wurde hier die zentrale Stadtbibliothek von Florenz eingerichtet. Sie verfügt über eine Sammlung von etwa 100 000 Bänden zur Geschichte der Stadt, davon ist knapp die Hälfte in offenen Regalen zugänglich. Innerhalb des Komplexes gibt es einige Lesesäle, eine spezielle Abteilung für Kinder- und Jugendliche und abends finden hier regelmäßig Buchpräsentationen oder Diskussionsveranstaltungen statt.

Tolle Aussicht und gute Atmopshäre

Über ausgetretene Stufen oder einen etwas klapprig anmutenden Aufzug kommt man an den Arbeitsräumen vorbei in den dritten Stock mit seinen offenen Umgängen. Hier scheint die Domkuppel zum Greifen nah zu sein. Zwischen den offenen Arkaden weht auch bei drückender Sommerhitze ein sanfter Lufthauch.

In einer winzigen Ecke der Bar werden köstliche belegte Brote zubereitet, die Auswahl an süßem Gebäck zum Kaffee ist reichlich und  man schenkt auch Wein oder Bier aus. Was die Bar vor allem auszeichnet ist die Tatsache, dass man sich seinen Stuhl an den vermeintlich schönsten oder ruhigsten Platz ziehen und Ruhe, Licht und Aussicht genießen kann. Keiner drängelt, nach dem ersten Kaffee gleich den zweiten zu bestellen, alle Besucher scheinen mit sich selbst mehr als gut beschäftigt zu sein. Vorwiegend junge Leute verbreiten hier eine herrlich entspannte und gleichwohl konzentrierte Atmosphäre. Sie balancieren mit ihren Laptops auf den Knien oder hängen die Köpfe in Bücher oder Zeitungen.

Bei Reisegruppen längst beliebt

In einem Teil des luftigen Dachgeschosses gibt es eine Cafeteria mit Angeboten für den Mittagstisch und Aperitif. Der Besuch in der Cafeteria gehört längst zum Standardprogramm zahlreicher Reisegruppen. Ihren Status als Geheimtipp hat die Biblioteca delle Oblate längst verloren. Sie wird als Insidertipp in Reiseführern empfohlen, steht mit den Öffnungszeiten auch im Internet und gilt als Muss für all jene, die selbst keine Touristen sein wollen und deshalb die authentischen Plätze suchen.

www.biblioteche.comune.fi.it/biblioteca_delle_oblate/

Ich gehe inzwischen zu einem anderen Geheimtipp, absolut untouristisch, versteht sich. Ich bin gespannt, wann der das erste Mal in einem Reiseführer erwähnt oder im Internet vorgestellt wird.

 

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