Hoffnungslos altmodisch – mit Postkarten

Wenn mir jemand schmeichelnd bestätigt, dass man mir mein Alter nicht ansehe, ich im Gegenteil noch einigermaßen jung wirke, freut mich das natürlich. Wer will schon gerne als alte Schachtel wahrgenommen werden. Doch ich merke an vielen Dingen, dass ich tatsächlich ganz schön in die Jahre gekommen bin und dazu ausgesprochen altmodisch.

Ich gehöre zum Beispiel zu der inzwischen sehr seltenen Spezies, die noch Briefe und Postkarten schreibt. Ich twittere nicht, ich grüße nicht via Internet-  ich schreibe- mit der Hand und das ausgiebig und mit Begeisterung. Wenn ich unterwegs bin, kaufe ich Postkarten, solche mit Panorama oder der immer gleichen Stadtansicht, aber auch Karten mit Blumen und  kitschigen oder bösen Sprüchen, Karten, die meiner augenblicklichen Stimmung entsprechen, oder solche, die beim Empfänger meiner Karte ein Lachen provozieren könnten.

Zuhause horte ich eine stattliche bunt gemischte Sammlung von Elegisch bis Himmelhochjauchzend.  Bereits das Suchen nach dem passenden Motiv für die grippekranke Freundin stellt eine gedankliche Verbindung mit ihr her. Das Scheiben einer Karte als Dankeschön für einen genüsslichen Abend mit Wein und Spaß und intensiven Gesprächen lässt mich den Abend gedanklich nochmals Revue passieren.

Dieser Tage wurde der Künstler Klaus Staeck in einem Interview anlässlich seines 80. Geburtstages gefragt, wie er jungen Menschen heute erklären würde, was Postkarten sind, ganz so als seinem sie mit Hieroglyphen aus der Zeit von Nofretete beschrieben.  Doch dieser fast verächtliche Blick auf Relikte aus der vordigitalen Zeit machte mir klar, dass ich als Schreiberin von Postkarten altersmäßig wohl in der Kategorie Neandertaler einzuordnen bin. Auf jeden Fall aus sehr grauer Vorzeit.

Ich schreibe übrigens auch deshalb Postkarten oder Briefe, weil ich natürlich auf ein Gegengeschäft hoffe. Schreibst du mir eine Karte, schick ich dir einen Brief, heißt die einfache Rechnung. Und wenn ich hin und wieder das eine oder andere fröhlich bunte Exemplar in meinem Briefkasten finde, wo sich sonst nur Rechnungen oder merkwürdig und nie bestellte Werbung breit machen, ist das wie ein Geschenk und löst Freude aus. Richtige- das heißt- papierene Post mit Porto in Form von Briefen oder Postkarten hebt meine Stimmung, krönt den Tag und gibt mir das ungemein tröstliche Gefühl, nicht allein zu den altmodischen Altvorderen zu gehören.

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